Charkiw. Der sechste Tag des Angriffs des Russenpöbels auf die Stadt. 01.03.2022

lägen auf Swoboda-Majdan. Heute vor acht Jahren haben die Orken von diesem Platz aus Charkiwer Regionale Staatsverwaltung gestürmt und drauf die moskowitische Fahne gehisst. Da es ihnen damals nicht gelang, Charkiw einzunehmen, beschlossen sie, die Stadt einfach zu zerbomben. Begonnen haben sie eben mit dem Staatsverwaltungsgebäude. Statt Fenster gähnt hier jetzt eine Leere, auch in vielen Nachbarhäusern, die Stützbalken sind gebrochen, auch im Gebäude der Karasin-Universität sind die Fenster ausgeschlagen. Die Tannen, die die Fassade der Regionalen Staatsverwaltung schmückten, sind wie weggewischt. Geblieben sind einzelne Zweige, die über den ganzen Platz zerstreut sind. Das Zelt „Alles für den Sieg“ ist schwer beschädigt. Wir werden es neu stellen. Etwas sehr Ähnliches gab es hier schon einmal – nämlich im Zweiten Weltkrieg. Es gibt mehrere Tote und Verletzte, auch unter den Territorialverteidigern und Freiwilligen. Ewiges Gedenken den Gefallenen! Es gibt dafür keine Verzeihung!!!


Während des Luftangriffs am Morgen wurden auch Wohnhäuser beschädigt, das Opernhaus, die Philharmonie etc. Einige Einwohner sind ums Leben gekommen.


Heute hat der Russenpöbel seine Taktik geändert. Sie benutzen zwar die Artillerie und Raketenwerfersysteme „Grad“ weiter, aber jetzt zielen sie genauer, es gibt jetzt mehr Treffer in die Wohnhäuser, unter anderem gab es Anschläge auf die Nordsaltiwka, Schyschkiwka, Horizont, Rohanj, ChTS (ukr. für Charkiwer Traktorenwerk), Saljutyno, Oleksijiwka, Neues Bawarija.
Ich wandelte heute durch die Umgebung, war in der Butschma-Straße, hier gab es starke Treffer, mehrere Häuser am Hang haben in den Treppenhäusern keine Fensterscheiben mehr. Ich sah ein kaputtes Haus, ein Teil der Fassade runtergestürzt, auch alle Treppenmärsche. Wenige Menschen draußen, die, die es gibt, zeigen sich total gleichgültig gegenüber den knallenden Schlägen. Ich habe den Bombenflieger gehört, der das Flugzeugbauwerk bombardierte, der ist leider wieder zurück nach Belgorod geflogen.


Im Schlangenstehen und aus der allgemeinen Stimmung der in Saltiwka gebliebenen Menschen kann man verstehen, dass die Welt nun in die Unseren und in die Russen geteilt ist. Zu den Russen gibt es keine Loyalität mehr. Die Leute werden immer wütender wegen des Dauerbeschusses und Bombardierungen. Der Hass wird immer größer. Man schenkt unseren offiziellen Nachrichten Glauben. Man verwünscht den chujlo in den Tod. Und das ist Saltiwka, das Stadtviertel, wo es bis zum 24. Februar 2022 eine relative Loyalität gegenüber dem moskowien herrschte.


Mit Lebensmitteln gibt es Probleme: man greift, wenn man schnell genug ist, danach, was gerade während eigener Anwesenheit im Geschäft kurz auftaucht, und es gibt davon nicht viel. Moskowiten haben uns in die Sowjetzeiten zurückgeschleudert, wo es stundenlange Lebensmittelschlangen gab und wo man das Essen buchstäblich auftreiben musste. In den Wohnvierteln, die sich auf der Beschusslinie befinden, gibt es kein Brot, sehr wenige Getreideprodukte. Hier sind meistens Rentner_innen geblieben, für die bereits die zwei oder vier Kilometer zum Supermarkt, wo man vielleicht nach dem Schlangestehen Brot kaufen kann (was nicht selbstverständlich ist). Die anstehenden Menschen bitten darum, dass man einen Brotlaib oder mindestens einen halben bekommt, beschuldigen am Brotmangel die Stadt- und Gebietsmacht.


In den Stadtteilen Horizont, Rohanj und Neues Bawarija war es am heißesten. Im Neuen Bawarija wurde aus der Luft das Werk für Förder- und Hebemaschinen bombardiert, aber die meisten Raketen trafen das Nowobawarskij-Prospekt, die nächstgelegenen vierstöckige Wohnchruschtschowka und das 3. Kommunalkrankenhaus. Allein im Wohnhaus kamen mindestens acht Personen ums Leben. Das Flugzeug, aus dem das Neubawarija beschossen wurde, hat man abgeschossen. Von den Zerstörungen wird nicht berichtet. Mehrere Zerstörungen und viel Beschuss gab es in den Stadtteilen Horizont und Rohanj. Die beiden Stadtviertel werden buchstäblich dem Boden gleichgemacht: mit Artilleriemitteln, Raketensystemen „Grad“ und Flugzeugen.

Infolge der nächtlichen Luftangriffe wurden die einzigen noch funktionierenden Supermärkte „Velmart“ und „ATB“ zerstört. Auch Vodafone-Mobilturm wurde durch die Luftangriffe beschädigt. Die Mobilverbindungsqualität ist in der ganzen Stadt niedrig. Längere Zeit konnte ich nicht begreifen, was die Invasen nach Rohanj eigentlich so anzieht. Mit Sicherheit nicht die Rohanj-Brauerei [Rohanj ist populäre lokale Biersorte]. Der Flugabwehrtruppenteil ist ja komplett woanders (und es ist wenig glaubhaft, dass er bis jetzt heil ist), und die schlagen dauernd los auf die Wohnviertel. Die Sache ist, glaube ich, folgend: früher befand sich dort in der Nähe die Fliegerfachhochschule, die es bereits seit einem Jahrhundertviertel nicht mehr gibt. Die Studentenheime der Hochschule sind mit Wald verwachsen (im Ernst, da wachsen real große Bäume). Und auf den Karten und Stadtplänen der Schweinehunde gibt es die Fachhochschule anscheinend immer noch!! Dieselbe Erklärung kann man bei dem Anschlag des Geburtskrankenhauses finden: vor 30 Jahren war an der Stelle ein Truppenteil!!!


Auch der gestrige Flugangriff auf die Altmetalllager und Lager mit diversem Allerlei auf dem Gelände des Charkiwer Traktormotorenwerks (den nach den Angaben der Luftkräfte der ukrainischen Armee der Bombenflieger
Ту-22М3 durchführte) lässt sich übrigens ähnlich erklären. Das Werk gibt es dort gute 15 Jahre nicht mehr, und die beschossen es heute. Wozu denn das? Was für Logik steht dahinter?


Der verdammte Russenpöbel benutzt Karten aus der Zeit des Zerfalls der Sowjetunion. Wieso? Anfang der Nulljahre sammelte ich topografische Karten aller Gebiete der Ukraine, die mit Maßstab
1 : 2000 abgebildet wurden. Auf der Charkiwer Karte fehlte die nördliche Saltiwka, mit dem Bau des Stadtviertels begann man erst Ende der 1980er Jahre. Das heißt: es gab das Stadtviertel gar nicht auf der Karte, wie auch noch andere etliche Stadtteile nicht abgebildet wurden, die in den 1990er Jahren entstanden. Genauso wie die im Volk genannte „Betonka“, die Autobahn Charkiw-Dnipro.


Kurz gesagt ich vermute, dass die Moskowiter Karten einer Welt gebrauchen, wie sie 1988 aussah (wie die von mir vor 20 Jahren gekauften)!!! Damit könnte man die Logik ihrer Flugangriffe erklären. Diese Einfaltspinsel können nicht einmal ihr fucking Yandex benutzen (das in der Ukraine, haha, gesperrt ist). Wenn die Feinde solche Idioten sind, dann wird auch die Zahl ihrer Kriegsverbrechen davon noch größer. Ihre Dummheit rettet uns, weiß Gott.

Am Abend kamen noch weitere Flugzeuge. Die Zahl der Einflüge war jedoch nicht identisch mit der Zahl der Ausflüge. Drei von sechs Flugzeugen sollen abgeschossen worden sein. Zwei Pilote wurden gefangengenommen (ihre Personalangaben gibt es bereits im Netz), der dritte Pilot hat sich erschossen. Noch eine Bemerkung: diese Idioten kommen nach Charkiw die Route der zivilen Luftfahrt angeflogen. Weil die fucking Luftstraße nach Moskau genau über Saltiwka und Pjatychatky führt!! Ja, klar, ich verstehe, dass der Weg so kürzer ist, aber auch an solchen Details kann man den Blödsinn unserer Scheißfeinde erkennen!

Es gibt allerdings auch gute Nachrichten: zu Helden des Tages wurden die Einwohner der Stadt Kupjansk, die den Russenpöbel vom Zentralplatz der Stadt verjagten und über der Stadt die Nationalflagge der Ukraine aufzogen. Einige gepanzerte Maschinen wurden von den Scharen junger Ukrainer ohne jegliche Waffe, nur mit Körperstärke zurückgedrängt.


Es war ein schwieriger Tag, kein leichter Tag. Vor allem aus moralischer Sicht. Mehrere Tote und Verletzte. Ein regelrechter Genozid, Stadteinwohnermord. Trotzdem hält sich die Stadt Charkiw standhaft, die Stimmung ist optimistisch, der Feind erobert uns nie, da müsste er die Stadt dem Erdboden gleichmachen!

Wir äußern unsere Dankbarkeit den ukrainischen Streitkräften, der Nationalgarde der Ukraine, der Territorialverteidigung, den Freiwilligen und Medizinern! Wir glauben ihnen und helfen ihnen. Wir unterstützen einander. Unser Geist ist kampfbereit, wir geraten nicht in Panik und verlieren den Mut nicht. Alles wird Ukraine!


P.S. Wieder lassen sich im Himmel raschistische Flugzeuge zeigen. Betet für uns alle in Charkiw.
UPD1. Gerade haben sie die Panzerschule und die Luftschutzschule bombardiert. Das bedeutet: militärische Objekte. Was soll denn die Auslöschung des Stadtteils Rohanj? Jaja, hundsmiserable Karten. Mit Saltiwka ist also gar nichts klar, aber hier gab es nur einige wenige Flugbeschießungen.
Meine Freunde erzählen, eines der ersten getroffenen Gebäude in Kyiw befinde sich auf dem Gelände des ehemaligen Truppenteils.

Serhij Petrow
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#RusWarcrimesInUA

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історик, аналітик Інформаційного Центру "Майдан Моніторинг" (сайт "Майдан"), громадський активіст, редактор української Вікіпедії