Charkiw. Chronik des Angriffs auf die Stadt, der 26. Tag (21.03.2022)

Heute war ein lauter Tag, aber man muss verstehen, dass nicht alles, was sich wie eine Explosion anhört, ein Bombentreffer ist. Unsere Jungs arbeiten auch und lassen die Moskowiter nicht näher an die Stadt zu.
Aber es gab auch Beschüsse. Besonders intensiv abends und teilweise nachts sowie am Vormittag. Der Nachmittag und Abend waren relativ still. Am Abend wurde nur vereinzelt geschossen. Am meisten waren Saltiwka Nord, Horizont, Rohan und Traktorwerk betroffen. Beschossen wurden auch Pjatychatky, Oleksijiwkam Derhatschi, Tschujujiw.

Foto: Hauptverwaltung des Notdienstes der Ukraine in der Region Charkiw

Foto: Hauptverwaltung des Notdienstes der Ukraine in der Region Charkiw

Der 96-jährige Boris Romantschenko, überlebender der Konzentrationslager Buchenwald, Penemünde, Dora-Mittelbau und Bergen-Belsen, wurde in Saltiwka Nord durch Raketenbeschuss getötet.
Seine Wohnung wurde getroffen und der Brand brach aus… Die Enkelin schlug ihm mehrmals vor, auszureisen, aber er weigerte sich. Bestattet wird Boris Romantschenko auf Kosten der Stadt.
Relativ schwacher Beschuss ermöglicht Reparaturen an Wasserleitungen und Pumpen, Elektrizitätslinien und Transformatoren. Somit verbessert sich die Wasserversorgung (obwohl alles relativ ist). Die Mitarbeiter der Kommunalunternehmen bitten um die Hilfe: angesichts zahlreicher Unfälle und erschwerter Logistik brauchen sie Ersatzteile. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der kommunalen Unternehmen und Elektrizitätswerke sind echte Helden einer unsichtbaren Front. Dank ihnen funktioniert die Stadt in diesen komplizierten Bedingungen. Vielen herzlichen Dank!
An den zerstörten Häusern werden die Ruinen beseitigt. Je nach den Dimensionen, kann das von einem Tag bis zu mehreren Wochen dauern. Daran beteiligen sich auch viele freiwillige Helfer, die dem Aufruf der Stadtverwaltung folgten. Viele helfen – jeder/jede dort, wo er oder sie nützlich und effizient sein kann.
Nach den Angaben der Stadt sind über 970 Häuser beschädigt, etwa 780 davon sind Wohnhäuser. Es sei zu betonen, dass eine Beschädigung nicht immer Zerstörung bedeutet – das können auch ausgeschlagene Fenster in einigen Wohnungen sein. Aber zugleich gehören dazu auch die Zerstörungen der Wände oder eine komplette Demolierung, das kommt auch vor. Es geht dabei sowohl um Hochhäuser als auch um Einfamilienhäuser. Das heißt, auch wenn die Zahlen noch so groß sind, gibt es immer Nuancen.
Auf den Hauptstraßen sieht man immer mehr Autos, und das zeugt davon, dass sich auch die Situation mit dem Treibstoff verbessert. Die Stadt versucht nach Möglichkeiten aufzuerstehen. Dabei gibt es auf den Straßen sehr wenig Passanten – ohne Ziel läuft keiner herum, nur etwa, um einzukaufen oder Hilfsgüter zu holen.
Problempunkt bleibt die Stadt Isjum, dort gibt es immer noch keine Änderungen. Ein Evakuierungskorridor ist unmöglich, eine Waffenruhe tritt nicht ein – die Moskowiter versuchen von Zeit zu Zeit anzugreifen, ohne großen Erfolg allerdings. An ihrem Misserfolg arbeiten Streitkräfte der Ukraine und „himmlische Geister“ unserer Luftstreitkräfte!
Die gestern gefangen genommenen Fahrer und Nothilfedienst, die mit humanitärer Hilfe nach Wowtschansk fuhren, haben Raschisten immerhin freigelassen, wenn auch etwas strapaziert. Die Menschen sind am Leben, gesund und schon in Sicherheit. Heute wurde direkt aus seinem Privathaus in Tsyrkuny bei Charkiw der Dorfverwalter Mykola Sikalenko gekidnappt.
Bei Tschuhujiw haben die Unseren einen feindlichen Flieger abgeschossen, außerdem wurden in Charkiwer Richtung zwei moskowitische Drohnen vernichtet. Nachdem die Moskowiter ihre Flieger verloren hatten, hörten sie mit der Aktivität im Himmel auf. Der Himmel ist klar und wolkenlos, es gibt keinen Versteck dort: überall können feindliche Flieger mit ukrainischem Stinger erreicht werden.
Proteste gegen die Invasoren gingen heute in Cherson weiter. Die Russen haben Granaten M84 angewendet und feuerten auf Menschen. Es gibt Verletzte. Ich weiß nicht einmal, wie ich das kommentieren soll… Meinen die, die können uns einschüchtern? Nein, die werden das Gegenteil erreichen… Die Menschen werden sich rächen wollen, und die Rache wird hart sein. Endlich, nach über drei Wochen, haben die Moskowiter in Berdjansk zumindest jemanden gefunden, der zu Kollaboration bereit ist. Diese Person ist Oleksandr Saulenko, der sich für „Vertretenden Bürgermeister“ erklärte, Mitglied der Partei „Bündnis der Linken“ (Parteichef Maksim Goldarb ist ein promoskauer Genosse, einige Zeit, nämlich zwischen 2015 und 2017 arbeitete er zusammen mit Julia Tymoschenko an der Frage der Tarifproteste zusammen). Also noch eine Partei, die für immer verboten werden muss und deren Mitglieder in Frage Zusammenarbeit mit Raschisten zu überprüfen sind.
In Enerhodar schnitt die Schweinehündin Julija Tschitscherina die ukrainische Staatsflagge, die ihr Freund „das Ding da“ nannte, vom Fahnenmast des Stadtrats ab. Ich glaube, es soll einen eigenen Höllenkreis für solche Besatzer geben und auch eigene Konsequenzen. Unter anderem für Den Haag. So, und in Melitopol entführten die Raschisten drei Bürger des Staates Israel. I am “very deeply concerned”. Nicht weniger besorgt, wie die israelitische Außenpolitik, die mit Moskowien liebäugelt.
Inzwischen haben das Uralwagenwerk, der einzige Panzerproduzent in moskowien, und Traktorenwerk in Tschelabinsk Panzerherstellung eingestellt, weil die Sanktionen die Lieferung der wichtigen Details aus dem Ausland gestoppt haben. Und die moskauer Verteidigungsproduktion davon mehr als abhängig ist.
Heute bekommt den Darwin-Preis die moskauer Zeitung „Komsomolskaja Prawda“, die die Angaben des russischen Verteidigungsministeriums publizierte, mit gefälschten Zahlen der toten Raschisten: da wurden aus über 14 Tausend Toten lediglich 9,9 Tsd. und 16 Tsd. Verletzte. Später wurde dieser Teil der Publikation entfernt, aber die Screenshots und das Web-Archiv verbrennen nicht  Die Neugierigen lade ich ein, im Link im ersten Kommentar nach der ukrainischen Textversion nachzuschauen.
Wir helfen unserem Militär in ukrainischen Streitkräften, der Nationalgarde der Ukraine, Territorialverteidigung, anderen Einheiten, Freiwilligen, Medizinpersonal, den Rettern und dem Kommunaldienst. Unterstützen wir einander und bringen wir somit unseren Sieg immer näher!

Serhij Petrov

історик, аналітик Інформаційного Центру "Майдан Моніторинг" (сайт "Майдан"), громадський активіст, редактор української Вікіпедії