Charkiw. Chronik des Angriffs auf die Stadt, der 42. Tag (06.04.2022)

Noch eine Woche ist vergangen, das ist schon die sechste Woche der heldenhaften Verteidigung von Charkiw. Der Beschuss dauert an, seine Intensität ist jedoch niedrig, somit ist er generell in der Stadt nicht besonders auffällig. Wegen unklugen Erklärungen mancher Beamten verfallen einige Menschen in Panik, wobei es für die Panik keine besonderen Gründe gibt.

Ein Wohnhaus in Saltiwka. Foto: Hauptverwaltung des Ukrainischen Notdienstes in der Region Charkiw.

Ein Wohnhaus in Saltiwka. Foto: Hauptverwaltung des Ukrainischen Notdienstes in der Region Charkiw.

Der Beschuss ist regelmäßig, wellenartig und von unterschiedlicher Intensität je nach dem Stadtteil. Dort, wo moskowiter zurückgeschoben worden sind, ist der Beschuss der Wohngebiete seltener; dort, wo sie näher zur Stadtgrenze stehen, ist der Beschuss immer noch relativ intensiv. Dank der niedrigen Intensität des Beschusses können die Freiwilligen humanitäre Hilfsgüter nach Saltiwka Nord und in andere Teile von Saltiwka bringen. Am meisten werden nach wie vor Saltiwka Nord und einige Teile von Saltiwka, Pjatychatky, Oleksijiwka, Zhukowski-Siedlung, Horizont und Traktorwerk beschossen. Gegen 23 Uhr gab es einen starken Beschuss der oben aufgezählten Stadtteile, aber er dauerte nicht lange.

Das Städtchen Derjatschi und die dazu gehörenden Dorfgemeinden werden jetzt am stärksten beschossen. Viele Häuser wurden in den letzten 24 Stunden beschädigt oder gar zerstört. Es gibt keinen Strom, die Bevölkerung wird evakuiert, aber es gibt Menschen, die trotzdem gerne bleiben wollen. Auch Tschuhujiw wird beschossen, wobei die Zerstörungsdimensionen dort geringer sind. Unter Beschuss stand heute auch Lubotyn. Das sind alles Orte des Ballungsgebiets Charkiw.

Und nun etwas Positives: seit einer Woche wird über Beschüsse und Zerstörungen nicht mehr öffentlich geredet. Früher war der Nachrichtenstrom voll davon, jetzt kommt solche Informationen kaum vor. G, das die moskowiter fast keine zusätzlichen Informationen aus offenen Quellen bekommen.

In Charkiw ist es den Umständen entsprechend ruhig – das gewöhnliche Leben einer Stadt im Krieg. Nach der Erklärung der Vize-Ministerpräsidentin Iryna Wereschtschuk, soll nun die Bevölkerung der Region Charkiw evakuert werden, entstand eine gewisse Panik. Der Vorsitzende der Militär-Zivil-Verwaltung Oleh Synehubow und der Bürgermeister Terechow behaupteten dagegen, in der Stadt sei alles ruhig, es werde bis auf weiteres keine Evakuierung geplant. Die Evakuierung betrifft Derhatschi und die südöstlichen Teile der Region (Barwinkowe und Losowa). Aber Frau Wereschtschuk hat auf solche Nuancen nicht geachtet. “Egal ” – einige Städte in der Region oder die ganze Region inklusive Charkiw, nicht wahr?

Übrigens, diejenigen, die Sicherheit anstreben, können ausreisen. Wer weder den Streitkräften, noch den Einwohnern, noch den kommunalen Vesorgungsunternehmen hilft, mit anderen Sicherheitsfragen nichts zu tun hat, die können ausreisen. Das ist eine persönliche Wahl, statt Panik zu machen, soll man lieber ausreisen. Das betrifft auch diejenigen, die die Stadt verlassen haben. Wir, die wir hier drinnen sind, können die Situation besser abschätzen.

Immer wirde wird eine falsche Information über die Sperrstunde veröffentlicht. Man sieht, dass man die Situation in der Stadt unstabil machen will, Panik stiften und Stadtbürger entmutigen. Das wird nicht gelingen. Wir sind nicht mehr so naiv!

Aus dem Feldman-Ökopark werden Tiere, hauptsächlich große Raubtiere evakuiert. Die Einrichtung befindet sich nördlicher von Pjatychatky, und dieser Stadtteil wird tatsächlich ernsthaft beschossen.

Zur Region: die Siedlung Solotschiw wurde heute wieder beschossen, еin Mensch ist tot, noch drei verletzt. Die Situation im Südosten des Gebiets Charkiw verschärft sich. Die moskowiter rücken bei Isjum vor; die Ukrainer lassen nicht locker. Eine Rakete wurde heute auf Losowa abgefeuert. Nach offiziellen Angaben gibt es dort keine Opfer. Die moskowiter beschossen auch die Wohnviertel von Balaklaja (es sah aus, wie ein Diffamierungsversuch der ukrainischen Streitkräfte, drei Menschen sind dabei umgekommen. Man kann behaupten, die Schlacht um Donbas hat angefangen.

Die Einwohner von Barwinkowe und Losowa werden evakuiert. Nach den Angaben der Stadtverwaltung sind 10 Tausend Menschen innerhalb von zwei Tagen ausgereist, was ungefähr ein Sechstel der Bevölkerung dieser Orte ausmacht.

Die Kämpfe um Rubizhne und Popasns dauern an, angegriffen wird auch Sewerodonez. Diese Städte sowie Lyssytschansk stehen unter ständigem Beschuss. Вшу Raschistische Armee versucht auch von der Seite Wuhledars im Donezkbecken vorzurücken. In diesem Ort wurde die Verteilungsstelle für humanitäre Hilfsgüter beschossen, vier Menschen sind dabei umgekommen.

In Rubizhne verrät der Bürgermeister Serhuj Chortiw, der noch am 1. April zu moskowitern überlaufen ist, die Information über patriotische Aktivisten und Familien der Militärvertreter. Er wurde übrigens von der Kollaborateurenpartei „Nasch Kraj“ („Unser Land“) gestellt. 2014 unterstützte Chortiw die moskowitische Besetzung der Ukraine und wurde dafür nicht bestraft. Unbestraftes Übel ist tödlich!

Im Allgemeinen übergingen in der Luhansk Region die Bürgermeister der Stadtgemeinden in Rubischne und Stanytsia Luhanska und der Dorfgemeinden Milowe und Markowe auf die moskowitische Seite. Gegen Chortiw wurde bereits ein Strafverfahren wegen Hochverrats eingeleitet. Auch gegen Anatolij Fomitschewskyj, einen Kollaborateur aus Isjum, wurde ein Strafverfahren eröffnet. Er ermöglichte die raschistische Einnahme der Stadt und stellt den Besatzern Informationen über die Einwohner mit proukrainischen Ansichten zur Verfügung.

Für das Verlegen der Verstärkung im Behalten von Isjum und Rubischne benutzen raschisten Eisenbahnknotenpunkt in Kupjansk, dank dem der Weg für die Technik beträchtlich gerader und kürzer wird. Eines der weiteren Vorteile ist Kraftstoffversorgung. In Kupjansk ist übrigens der moskowitische Propagandist Alexander Kotz aufgetaucht. Er war in Butscha während des Massakers. Seine Anwesenheit ist ein schlechtes Omen für die Orte, in denen er gesehen wird.

Nach den Informationen von den Einheimischen wird aus dem von moskowitern besetzten Wowtschansk die Ausrüstung des dortigen Aggregatswerks, das zu den Industrieobjekten mit Verteidigunszweck gehört.

In Mariupol funktionieren bereits die Mobilkrematorien. Sie sind von moskowien für das Verbrennen der Leichen von den erschossenen Einwohnern der Stadt transportiert. moskowien verwischt die Spuren seiner Verbrechen, damit es keine Beweise später gibt wie es etwa in Katynj, im Charkiwer Waldpark „Lisopark“ oder in Starobilsk war, wo die von Mitarbeitern des NKWD, des sowjetischen Geheimdienstes der 40-er, erschossenen polnischen Offiziere in Massengräbern vergraben wurden. Die Mobilkrematorien und 45 Tausend Leichensäcke waren für uns, Ukrainer:innen, vorgesehen. Die sollten das Maßstab des Völkermordes verbergen.

Die Regionen Kyjiw und Tschernihiw kommen zu Kräften nach der moskowitischen Invasion. Noch lange wird Verzeichnis der Menschenverluste und Sachschäden dauern. Die Städte und Kleinorte im nördlichen Westen von Kyjiw haben die ukrainische Hauptstadt zweifellos vor der Zerstörung geschützt. Genauso wie die Stadt Tschernihiw und mehrere Dörfer der Region die Hauptstadt von der östlichen Richtung verteidigt haben. Was Charkiw anbetrifft, so übernehmen Derhatschi und einige Stadtteile Charkiws – Nord-Saltiwka, Pjatzchatky und Horizont den Anschlag.

Es gibt einige Erfolge im Cherson Gebiet, dort dauern Kämpfe, unsere Truppen rücken langsam vor.

Inzwischen erinnert die Geschichte mit dem Sperren der moskowitischen Wikipedia in moskowien immer mehr an eine Komödie. Nach einigen Briefen von den moskowitischen Regierungsorganisationen über die Notwendigkeit des Einzugs der Informationen über den Angriff moskowiens auf die Ukraine, die der offiziellen moskowitischen Position nicht entsprechen, gab es natürlich keine Sperre. Dabei aber stellten sich mehrere „schlafende“ Nutzerkontos heraus, die über die erforderlichen Mindestbearbeitungen verfügen, um Einschränkungen von nicht registrierten bzw. neu registrierten Benutzern zu umgehen. Dieses Schema hat man durchschaut und jetzt werden wegen der Dekonstruktivität alle blockiert, die zu diesem Thema in moskowitischen Wiki-Beiträgen einzugreifen versuchen.

Mehr noch, für die nächste Zeit prognostiziere ich keine Sperren in moskowitischer Wikipedia aus folgenden Gründen:

– Das ist ein Schuß sich selbst ins Bein, weil das die Menschen zur vpn-Benutzung auffordern wird

– Dadurch wird es nicht möglich, in den weniger kritischen Artikeln (darunter jenen, die für Public Relations der Beamten vom unterschiedlichen Rang) eine für die Regierung günstige Meinung zu verbreiten

– Dadurch verliert die Ru-Wiki ihre wichtigsten Mitwirkenden (70% der Bearbeitungen der moskowitischen Wikipedia werden in moskowien gemacht), denn mit vpn können die Wiki-Beiträge nicht bearbeitet werden

– Das wird schließlich zur Stagnation der moskowitischen Wikipedia und zu ihrem allmählichen Verfall führen. Der moskowitische Kulturprodukt ist ja Beeinflussungsmittel auf alle, die der Sprache mächtig sind. Außerdem wird durch die Sperre nur eines Beitrags die gesamte Wikipedia gesperrt.

Wenn die moskowiter wirklich bereit sind, sich komplett von der Welt zu isolieren, dann kann es so weit kommen. Im anderen Fall bleibt alles bei den Drohungen, aber bis zur Sperre kommt es jedoch nicht.

Der berüchtigte Ukrainophobe wladimir zhyrinowskij, der immer wieder die realen Pläne moskaus und putins zur Ukraine laut ankündigte, hat endlich, nach dem dritten Mal, wirklich ins Gras gebissen und einen Gratis-Ticket zum Kobson-Konzert in der Fan-Zone erhalten. Sein Tod ruft keine Emotionen hervor – ein tollwütiger Imperienverehrer weniger – und das ganze moskowien ist ja voll von solchen Imperienverehrern.

In Bjelgorod bleibt weiter unruhig – die Einheimischen haben heute über der Stadt einen „Knall“ registriert, alle Schulen der Stadt sind angeblich vermint. In Charkiw dauerte etwas ähnliches lange Zeit: es wurden mal alle Universitäten, mal die Hälfte oder gar alle Schulen der Stadt vermint. Ein leicht erkennbarer Stil.

Den Darwin-Preis erhalten heute zum zweiten Mal bereits zweifellos jene moskowitischen Krieger, die im Roten Wald um das Tschornobyler Kernkraftwerk nicht nur die Schützengräben aushoben, sondern auch darin über lange Zeit auf Kampfposten hockten. Laut australischen Experten erhielten sie eine Ausstrahlungsdosis 18, 5 Tausend Beсquerel, eine tödliche Dosis also. Sie teilen den Preis mit dem raschistischen General-Oberst wladimir schamanow, der es meinte, es gebe nichts Schlimmes im Graben um das Kernkraftwerk herum, weil dort im Zweiten Weltkrieg Partisanen sich eingegraben haben, wonach keine Folgen auftraten. Na schön, wenn er das so meint…

Helfen wir unserem Militär und allen, die an der Verteidigung Charkiws und des Ostens der Ukraine beteiligt sind, glauben wir an die Ukrainischen Streitkräfte! Unterstützen wir einander – in den nächsten Wochen werden wir emotionelle Schaukel erleben müssen. Wir glauben an unsere Kräfte und an die Ukraine!

Serhij Petrow

історик, аналітик Інформаційного Центру "Майдан Моніторинг" (сайт "Майдан"), громадський активіст, редактор української Вікіпедії