Charkiw. Chronik des Angriffs auf die Stadt, der 54. Tag (18.04.2022)

Es war ein etwas depressiver Tag. Fast die ganze Zeit regnete es. Der Beschuss war unregelmäßig in verschiedenen Stadtteilen, erst am Abend intensivierte er sich in allen betroffenen Stadtbezirken.

Nach der niedrigen Intensität des Beschusses am Morgen trat eine Pause ein, tagsüber war der Beschuss wieder aktiv, und dann war es wieder still bis zum Abend. Am Abend war die Intensität steigernd. Andererseits gab es wenig Pausen in Saltiwka, wo der Beschuss im Laufe des Tages gleich stark war. In der Nacht von Sonntag auf Montag wurden eine russische orthodoxe Kirche und eine Entbindungsstation beschossen. Am Abend war hauptsächlich die Fernkampfartillerie im Einsatz. Neben Saltiwka (wo es am heißesten war) wurden auch Pjatychatky, Zhukowski-Siedlung, Oleksijiwka, Traktorwerk, Nowi Budynky und die Stadtviertel am Gagarin-Prospekt beschossen.

Ein beschädigtes Haus in Saltiwka, März 2022. Foto: Serhij Petrow.

Tagsüber wurden zwei neue Stadtteile beschossen. Infolge des Beschusses des Gagarin-Prospektes wurden ein Mann und eine Frau mit einer Haubitzengranate getötet. Die Menschen hielten sich in der Nähe des Spielplatzes, in den die Granate traf. Später war der Stadtbezirk Nowi Budynky beschossen, und zwar die Verteilungsstelle für humanitäre Hilfe. Dabei wurde ein Mensch getötet und noch sechs Menschen wurden verletzt.

Die lokale Verwaltung empfahl den Menschen, die Bombenkeller nicht zu verlassen, weil der raschistische Beschuss sehr chaotisch ist. Die moskowiter änderten ihre Taktik: jetzt finden Raketenangriffe und Beschüsse, die viele Opfer verursachen, um die Mittagszeit statt. Gestern waren sie chaotisch, heute dagegen haben sie ein klares Ziel. Unser Team, das die Kriegsverbrechen dokumentiert, klassifiziert aufgrund der Charkiwer Daten alle Objekte, die typische Ziele der raschisten darstellen.

Beschossen wurden auch Vororte, unter anderem die Gemeinde Derhatschi und die Richtung Tschuhujiw.

Der Bürgermeister Terechow erklärte, dass Springbrunnen in der Stadt bald wiederhergestellt werden sollen. Zum Glück hat ihm jemand rechtzeitig erklärt, wie gefährlich das ist: an Springbrunnen versammeln sich Menschen und werden zum wunderbaren Ziel für feindliche Artillerie.

Terechow äußerte sich heute endlich auch zur Demontierung des Zhukow-Denkmal. Er meinte, diese Frage soll nach dem Krieg erörtert werden. Das bedeutet Folgendes:

Er lebt immer noch im alten Paradigma, bei dem die Bevölkerung den sowjetischen Siegeskult pflegt. (Tatsächlich beweisen die Gespräche mit Menschen, dass unter den in der Stadt gebliebenen wesentlich wenig solche gibt.)

Alles kommt auf die zentrale Regierung an. Der Bürgermeister wird sich daran anpassen. Die Dekolonisierung, die in vielen ukrainischen Städten stattfindet, wird von ihm nicht initiiert. Und wenn schon, dann nach dem Anstoß der regionalen Verwaltung.

Die Gefahr, die von Terechow ausgeht, bleibt, aber wir müssen weiter arbeiten.

Nach Angaben des Kulturdepartments der regionalen Verwaltung sind acht Kulturdenkmäler zerstört (sechs in Charkiw – die Gedenkstätte „Drobytskyj Jar“, die Ukrainisch-Polnische Gedenkstätte, das Literaten-Wohnhaus „Slowo“, die Korolenko-Bibliothek; und zwei in der Bezirksstadt Isjum – die Ruinen der Festung Isjum von 1681 und die Kriegsgedenkstätte auf dem Berg Kremjanets). Beschädigt oder zerstört sind auch ca. 80 Baudenkmäler. Von einigen Bezirken, die immer noch besetzt sind, fehlt jedoch noch die Information. Und nach Angaben des Kultusministeriums der Ukraine wurden in der Ukraine insgesamt 200 Objekte des Kulturerbes zerstört.

Sehr hart wird bei Isjum gekämpft. Heute fand dort der von allen erwartete große Angriff statt. Es gibt auch intensive Kämpfe in der Richtung Barwinkowe. Es wird sehr schwer und kompliziert sein.

In der Siedlung Borowa beraubten die Invasoren die Rentenauszahlstelle; die Gemeinde hat keine Telefonverbindung, die Versorgung mit Lebensmitteln ist erschwert.

Bei Balaklija wurde ein moskowitisches Flugzeug abgeschossen. Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs wurden einige Orte in der Nähe von Isjum befreit. Die Orte wurden vom Pressesprecher des Generalstabs nicht genannt.

Sehr harte Kämpfe finden in der Zone von Joint Forces Operation statt. Vom Norden bis zum Süden. Die ukrainischen Truppen zogen sich aus taktischen Gründen von Kremjana zurück. Dort finden Straßenkämpfe statt. Ebenfalls dauern die Kämpfe um Rubizhne und Popasna an. Lyssytschansk und Severodonezk werden intensiv beschossen. In dem durch die ukrainischen Streitkräfte kontrollierten Teil des Gebiets Luhansk bleiben ca. 20 Tausend Menschen, die Evakuierung ablehnen. Zugleich wurde ein PKW mit Menschen, die heute wegfahren wollte, von russen beschossen. Vier Menschen sind tot, ein Verletzter.

Schwere Kämpfe finden auch am Bogen Switlodar und bei Awdijiwka und Marjnka, sowie südlicher – beim Wuhledar und Nowosilka statt. Die moskowiter versuchen bei Saporischschja vorzudringen. Beim Beschus von Huljajpole verwendeten sie Phosphormunition. Die Situation ist schwer, aber unsere Jungs werden es schaffen.

In Mariupol werden beim Ansturm von Azowstal superschwere Flugbomben von 1 und 3 Tonnen verwendet, die schwere Eisenbetonkonstruktionen zerstören können. In den Kellern von Azowstal befinden sich viele Zivilisten. Die Invasoren vernichten die Menschen ganz bewusst. Sie verwenden die strategischen Bomber Tu-22М3. Bei Mariupol werden in den vier Filtrationslagern 20 Tausend Einwohner von Mariuopol gehalten, die nach der Kontrolle zwangsmäßig nach moskowien deportiert werden.

Die raschistischen Angriffsversuche in der Region Cherson wurden auch zurückgeschlagen. Mykolajiw wird mit Raketenartillerie beschossen. Raketenangriffe gab es auch in Kramatorsk, einige Orte des Gebiets Dnipropetrowsk sowie in Lwiw, wo sieben Menschen getötet und elf verletzt wurden.

In der Region Cherson wird die Bevölkerung von russischen Besatzern terrorisiert. Eine humanitäre Krise ist herbeigeführt worden, bei der die den russen gegenüber nicht loyalen Bürger verhungern können. Auf dem Lande werden die feindlichen „Kommandanten“ jedoch häufig ignoriert. Die moskowiter bereiten sich auf das sogenannte „Referendum“ und die Gründung der sogenannten „Chersoner Volksrepublik“.

Im besetzten Henitschensk wurde das Lenindenkmal wieder aufgestellt. Sprache, Straßennamen, Denkmäler – all dies sind Symbole, mit denen die moskowiter ihre kulturelle und mentale Okkupation zu verwirklichen versuchen.

Nach Angaben des Bürgermeisters von Butscha Anatolij Fedoruk wurde jeder fünfte von denen, die die Stadt nicht verlassen haben, getötet. Und die 64. Motorisierte Schützenbrigade der Kriegsverbrecher von Butscha wurde von Putin mit dem Titel „Garde“ ausgezeichnet.

In Irpin wurden schon 270 von Invasoren getöteten Zivilisten dokumentiert. In den besetzten und befreiten Gebieten wurden zurzeit schon 1,1 Tausend Menschen als Verschollen gemeldet.

Der im Kampf für Mala Rohan und Wilchiwka gefallene Heorhij Tarassenko, der Anführer vom „Freikor“ wurde für seinen Mut und seine Heldentat mit dem Titel „Held der Ukraine“ postum geehrt.

Die Soldaten der 93. Motorisierten Brigade fanden bei einem russischen Gefangenen ein Handy, das eindeutig nicht ihm gehörte. Der Invasor hat das Telefon dem Mädchen weggenommen, das sich zusammen mit der ganzen Familie evakuierte. Unsere Soldaten brachten das Handy seiner 10-järigen Besitzerin zurück, obwohl ihre Eltern es den Soldaten für ihre Bedürfnisse überlassen wollten. Die Ehrlichkeit ist eine der Tugenden unseres Militärs.

Die Darwin-Prämie geht heute an den moskowiter, der selbstständig seinen Tod in der Nähe von Isjum aufnahm. Ein großer Peng! und um einen Moskowiter weniger.

Glauben wir an unsere Streitkräfte und helfen wir ihnen! Unterstützen wir die Volontäre, Mediziner, Rettungskräfte und Kommunalunternehmen sowie einander. Und arbeiten für unseren baldigen Sieg!

Serhij Petrow