Charkiw. Chronik des Angriffs auf die Stadt, der 56. Tag (20.04.2022)

Der moskowitische Angriff auf Charkiw und der Beschuss der Stadt dauert bereits acht Wochen lang.

Die moskowiter hielten Charkiw am Dienstag Abend und in der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch unter Beschuss. Am Morgen danach herrschte ungewöhnliche angespannte Stille. Und zum ersten Mal seit mehreren Tagen gab es tagsüber, bis zum späten Nachmittag, keinen Luftalarm. Doch gegen Abend und mit jeder Abendstunde immer intensiver fingen die moskowiter vom neuen an, die Stadt zu beschießen. Es waren traditionell verschiedene Saltiwka-Teile, wegen der Treffer in einige Wohnhäuser brannte es an einigen Orten stark. Außerdem wurden Stadtteile Pjatychatky, Oleksijiwka, Charkiwer Traktorenwerk, Neue Häuser und Cholodna Hora beschossen.

Auch die Vorortzone befand sich unter Beschuss – sowohl Derhatschi als auch Tschuhujiw-Richtung. Einige Notdienstwagen wurden wegen Beschusses beschädigt.

Der Sicherheitsdienst der Ukraine entdeckte in Charkiw Geheimlager mit Ersatzteilen für unterschiedliche Militärtechnik und Munition für die Besatzungstruppen für die Gesamtsumme etwa 200 Millionen Dollar. Die Stadt sollte ja zum Stützpunkt der moskowiter werden, aber unsere Truppen haben diese Pläne durchstrichen. Die Lagerbesitzer bereiteten sich auf die Kollaboration mit den Besatzern vor.

Während des Sonntagsbeschusses trafen die moskowiter McDonald’s im Zentrum Charkiws. Der Polizeileiter scherzt, es wäre Rache dafür, dass wir, im Unterschied zu raschisten, McDonald‘s-Kette haben.

Mit jedem Tag wird die Zahl der beschädigten Wohnhäuser und der Häuser der sozialen Infrastruktur immer größer. Einige meiner Freunde sehen diesen Charkiwer Urbizid pessimistisch an, andere schauen mit Optimismus in die Zukunft. Ich denke momentan gar nicht an die Zukunft. Unsere wichtigste Aufgabe heute ist durchzuhalten und zu überleben, danach kann man auch an die Zukunft denken.

Es gibt mehrere Autos auf den Stadtstraßen, und es ist gut daher, dass die Straßenampeln funktionieren. In den Geschäften werden bereits Osternkuchen verkauft. Die Gebietsverwaltung überlegt die optimalen Sicherheitsmaßnahmen für Ostern.

Die ISPs organisieren in Charkiw ein Netzwerk in Kellern und Luftschutzunterkünften, damit die Menschen in Verbindung bleiben. Das ist sehr richtig, meiner Meinung nach.

Im Gebiet selbst ist alles sehr verwickelt. Bei Isjum und in Barwinkowe-Richtung dauern Kämpfe. Unser Militär hält heldenhaft die moskowitischen Angriffe zurück. Die Angriffsrichtung der raschisten ändert sich ständig. Die Städte Barwinkowe und Losowa standen am Mittwoch unter Beschuss. Von dort wird die Stadtbevölkerung weiter evakuiert. Ein Teil der moskowitischen Truppen steht jetzt bei Stara Hnylytsja, damit die ukrainischen Streitkräfte keine Erfolge auf Brückenkopf Malyniw erzielen können.

In der Operationszone der Vereinten Kräfte dauern schwere Kämpfe um Kreminna, Rubischne und Popasna. raschisten halten Sjewerodonetsk und Lysytschansk unter Beschuss. Toretsk, Awdijiwka, Marjinka werden angegriffen. Die Besatzer unternehmen Versuche, Wugledar, Welyka Nowosilka im Donetzker Gebiet und Huljajpole im Saporischschja Gebiet zu attakieren.

Zum „Stellvertretenden Bürgermeister“ von Berdjansk wurde der örtliche Straßenfeger Mykyta Samojlenko ernannt. Seine Aufgabe jetzt es, die Feierlichkeiten am 9. Mai vorzubereiten. raschisten haben offensichtliche Probleme mit Personal.

Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft kamen infolge der raschistischen Invasion bereits 200 Kinder ums Leben, mehr als 370 Kinder sind verletzt worden.

Über zwei Tausend medizinische Fachleute aus anderen Ländern wollen in die Ukraine kommen, um den Ukrainern in den schweren Zeiten zu helfen. Vielen Dank für diesen Solidaritätsausdruck.

In moskowien ist es durchaus unruhig. So erklang am Morgen in einer der moskauer Schulen die Hymne der Ukraine – jemand hat den Track gewechselt. Die Eltern der Schüler waren über den gesungenen „Ruhm für die Ukraine“ empört. Tja, die Cybersicherheit auf einem hohen Niveau halt. In einer anderen moskowitischen Schule, in Bjelgorod erklang die Luftsirene mit dem Sprechertext auf Ukrainisch und auf Englisch.

Wir glauben an die Streitkräfte der Ukraine, die Nationalgarde der Ukraine und Territorialverteidigung, an General Saluzhnyj und an Generalstab unserer Armee. Helfen wir den Freiwilligen, Mediziner:innen, Retter:innen und Mitarbeiter:innen der Kommunaldienste. Unterstützen wir einander. Und dann soll alles Ukraine werden!